In diesem Artikel erkläre ich den Begriff Healing Design, stelle die Bedeutung in der heutigen Zeit dar, erkläre von welcher Grundannahme man ausgeht, beschreibe die Ziele, erkläre die Gestaltungselemente und nenne Beispiel auf welcher wissenschaftlichen Basis die Erkenntnisse beruhen.
Definition des Begriffs Healing Design
Healing Design – wörtlich übersetzt „heilendes Design“.
Es beschreibt die gezielte Gestaltung von Räumen, die das körperliche und seelische Wohlbefinden von Menschen fördern. Es geht dabei nicht nur um Schönheit der Räume, sondern um eine ganzheitliche, wissenschaftlich fundierte Herangehensweise an Raumgestaltung. Das ist besonders relevant und hilfreich für Räume im Gesundheitswesen, aber auch für alle anderen Bereiche, in denen wir uns aufhalten.
Die Grundannahme
Die wissenschaftliche, bewiesene Grundannahme ist: Räume haben eine Wirkung auf uns. Sie beeinflussen unsere Wahrnehmung, unsere Gefühle und nehmen Einfluss auf unser Verhalten.
Healing Design als Fachdisziplin der Architektur / Innenarchitektur
Healing Design ist nicht nur ein gestalterisches Konzept, sondern entwickelt sich zur Fachdisziplin mit interdisziplinärer Tiefe.
Interdisziplinäre Verankerung
- Architektur und Innenarchitektur → Raumgestaltung, Materialwahl, Lichtführung, Möblierung
- Psychologie und Neurowissenschaften → Wahrnehmung, Verhalten, emotionale Reaktionen
- Medizin und Pflegewissenschaft → Genesungsprozesse, Patientensicherheit, Arbeitsumgebung
Akademisch und institutionelle Entwicklung
- In den USA und Skandinavien gibt es bereits Studiengänge und Forschungszentren zu Healthcare Design und Healing Environments
- In Deutschland wächst das Interesse: Fachkonferenzen, Publikationen, interdisziplinäre Forschungsprojekte. Die TU Berlin beherbergt ein spezialisiertes Fachgebiet namens Architecture for Health/Future. Im Bereich Architektur für Gesundheitsbau, ist das Thema etabliert.
- Erste Ansätze zur Integration in Architektur- und Designausbildungen
Spezialisierung in der Praxis
Healing Design wird zunehmend als Spezialisierung in Architektur- und Designbüros angeboten – oft in Verbindung mit Krankenhaus und Praxisgestaltung, Reha-Zentren, Pflegeeinrichtung, Hospize und auch im privaten Bereich.
Ziele von Healing Design
Die Hauptanwendung von dieses Fachgebiets liegt im Gesundheitsbereich. Besonders entscheidende ist für Krankenhäuser, Arztpraxen, therapeutische Einrichtungen und überall wo Menschen in Gemeinschaft leben und Unterstützung benötigen.
1. Förderung der Genesung
- Beschleunigung von Heilungsprozessen durch stressreduzierende Gestaltung
- Unterstützung des Immunsystems durch positive Umgebungsreize
- Minimierung von Reizüberflutung, Orientierungslosigkeit und Angst
2. Reduktion von Stress und Belastung
- Für Patient:innen: weniger Angst, bessere Schlafqualität, mehr Sicherheit
- Für Angehörige: Räume, die Trost und Ruhe bieten
- Für Mitarbeitende: ergonomische, motivierende Arbeitsumgebungen

3. Stärkung der emotionalen Verbindung zum Raum
- Räume sollen nicht nur funktionieren, sondern berühren
- Förderung von Würde, Selbstwirksamkeit und Vertrauen
- Damit ist Gestaltung Teil der Fürsorgekultur
4. Verbesserung der Kommunikation und Orientierung
- Klare Wegeführung, intuitive Raumstruktur
- Farben, Licht und Materialien als nonverbale Leitsysteme
- Dadurch Förderung von Selbstständigkeit bei Patient:innen
5. Wirtschaftliche und organisatorische Vorteile
- Weniger Komplikationen, kürzere Liegezeiten
- Höhere Zufriedenheit bei Personal und Patient:innen
- Dadurch entsteht eine Positive Wirkung auf Image und Wettbewerbsfähigkeit von Einrichtungen
6. Gestaltung als Teil der Therapie
- Räume werden aktiv in therapeutische Konzepte eingebunden
- Bewegungsförderung durch Raumstruktur, sensorische Stimulation
Die wissenschaftliche Grundlage für Healing Design: Evidence Based Design
Evidence Based Design heißt wörtlich übersetzt: „evidenzbasierte Gestaltung“. Evidenzbasiert bedeutet, eine Entscheidung auf Basis empirisch zusammengetragener und bewerteter wissenschaftlicher Erkenntnisse erfolgend, treffen.
„Gestaltung auf Basis wissenschaftlich belegter Wirkzusammenhänge zwischen Raum und Mensch.“
Das bedeutet, dass mit Hilfe dieser Methodik, Healing Design eine ernstzunehmende, forschungsbasierte Disziplin, vergleichbar mit Evidence Based Medizin, ist.
Wegbereiter für das Konzept der heilenden Architektur
https://de.wikipedia.org/wiki/Heilende_Architektur
war eine 1984 im Wissenschaftsmagazin Scienceveröffentlichte Studie des Architekturprofessors Roger Ulrich, in der zwei Gruppen von Patienten verglichen wurden, die im Krankenhaus nach identischen Operationen durch ihre Zimmerfenster entweder auf einen Park mit Bäumen oder auf die Betonmauer des Nachbargebäudes sehen konnten. Patienten, die auf den Park sehen konnten, benötigten deutlich weniger Schmerzmittel, litten seltener an Depressionen und konnten im Schnitt einen Tag früher nach Hause entlassen werden, als die Patienten der Vergleichsgruppe.[1] In der Folgezeit erschienen zahlreiche weitere Studien, die sich mit ähnlichen Fragestellungen befasst haben.
Gestaltungselemente, die heilen: Was wirkt, wie und warum?
Healing Design nutzt gezielt räumliche Gestaltungselemente, die nachweislich positive Effekte auf das körperliche und seelische Wohlbefinden haben. Die Wirkung ist nicht nur intuitiv spürbar – sie ist auch wissenschaftlich belegt. Hier sind die wichtigsten Gestaltungselemente und ihre nachgewiesene Wirkung:
Wirkungsbereich | Gestaltungselement | Wirkung auf Gesundheit & Wohlbefinden | Studienbeleg / Quelle |
---|---|---|---|
🌿 Naturbezug | Pflanzen, Holzoberflächen, Ausblick ins Grüne | Stressreduktion, Blutdrucksenkung, kognitive Erholung | Ryan et al., 2014; Browning et al., 2014 – Biophilic Design |
💡 Tageslicht & Beleuchtung | Fensterflächen, biodynamisches Licht, Lichtführung | Regulierung des Schlaf-Wach-Rhythmus, Stimmungsaufhellung | Ulrich, 2001; Gashoot, 2022 – Holistic Healing Framework |
🎨 Farbgestaltung | Wandfarben, Möbelfarben, Farbakzente | Emotionale Stabilisierung, Orientierung, Aktivierung | Vollmer & Koppen, 2023 – Architekturpsychologie |
🔊 Akustik & Geräuschkulisse | Schalldämpfende Materialien, Klanglandschaften | Stressminderung, bessere Kommunikation, Schlafqualität | Huisman et al., 2012 – Healing Environments |
🛋️ Materialität & Möblierung | Holz, Textilien, ergonomische Möbel | Förderung von Sicherheit, Würde und Geborgenheit | Gashoot, 2022 – Holistic Healing Framework |
🧭 Raumstruktur & Orientierung | Sichtachsen, Leitsysteme, Zonierung | Reduktion von Verwirrung, Förderung von Selbstständigkeit | Vollmer & Koppen, 2023 – Architekturpsychologie |
Emotionale Dimension: Räume, die berühren
Healing Design beginnt dort, wo Architektur auf Empathie trifft. Räume, die heilen sollen, müssen nicht nur funktional und sicher sein – sie müssen berühren. Denn die Umgebung, in der sich Menschen aufhalten, beeinflusst ihr emotionales Erleben tiefgreifend. Besonders in Situationen, wo wir unsere vertraute Umgebung verlassen müssen, es uns nicht gut geht, wir Sorgen haben und ängstlich sind. Das sind belastende Situationen, in denen wir ins Krankenhaus kommen, zum Arzt müssen und wir nicht genau wissen, was uns erwartet und wie es weitergeht. In diesen Situationen sind wir besonders empfindsam und verletzlich. Wir reagieren sensibler auf äußere Störungen und stehen unter erhöhter Aufmerksamkeit.
Räume wirken, ob gewollt oder nicht
Die Räume in denen wir uns aufhalten, wirken auf uns – gewollt oder ungewollt. Unsere Wahrnehmung entscheidet in Millisekunden, ob wir uns wohlfühlen oder nicht. Bevor wir anfangen zu denken, ist das Urteil, ob die Umgebung uns guttut, oder nicht, schon gefallen und der Körper beginnt sofort, Reaktionen in Gang zu setzen. Das passiert alles, automatisch in unserem Unterbewusstsein. Wir nehmen aber auch wahr, ob sich die Umgebung gut anfühlt, sie uns unterstützen, beruhigt und uns Sicherheit gibt. Dann sind wir entspannter und offener für Dinge, die auf uns zukommen.
Der Beweis, das Räume wirken
Der Wegbereiter für das Konzept der heilenden Architektur
war eine 1984 im Wissenschaftsmagazin Science veröffentlichte Studie des
Der Link zur Studie von Roger Ulrich:
Mein persönliches Schlüsselerlebnis zu Beginn meiner Karriere.
„Ich nehme die Anspannung und Nervosität der Patienten deutlich wahr, wenn Sie bei mir an der Anmeldung stehen. „Ich kann die Angst förmlich riechen.“ Das war die Situationsbeschreibung der Rezeptionistin bei den Gesprächen für die Planung.
Projekt: Neueinrichtung einer Mund-, Kiefer-und Gesichtschirurgie Praxis, mit ambulanten OP-Einheiten, 2006
Thema: Angstbefreiende Gestaltung für ein stressfreies Patientenerlebnis in den neuen Praxisräumen
Ergebnis: Der Verbrauch an Beruhigungs- und Betäubungsmitteln bei ambulanten Operationen sind in der neuen Praxis deutlich gesunken, das belegen die Einkaufszahlen. Die Patienten bemerken die neue Atmosphäre in den Räumen, sind angenehm überrascht und teilen ihr Empfinden mit, am Empfang, bei den Vorbesprechungen und bei den OP Terminen.
Fazit: Da ist mir das erste Mal klar geworden, welche Rolle meine Arbeit für die Nutzer spielen kann und was ich Gutes damit tun kann. Da ist mir die Wirksamkeit von Räumen das erste Mal bewusst geworden.

Themen-Beispiele-Hintergründe
1. Thema Natur
Das Thema Natur ist ein ganz besonderes Gestaltungselement mit großer Wirkung auf uns. Warum ist das so und welchen Einfluss hat die Natur auf uns?
- Beruhigende Umgebung: Wälder, Wiesen und Felder strahlen eine ruhige und friedliche Atmosphäre aus. Das beruhigt und reduziert Stress
- Frühgeschichtlicher biologischer Einfluss: Menschen haben sich über die Evolution in einer natürlichen Umgebung entwickelt und ein Urvertrauen verinnerlicht. Natur hat eine tiefgreifende positive Wirkung auf unser Wohlbefinden
- Reduktion von Stresshormonen: in der Natur fühlen wir uns wohl und so ist die Umgebungswahrnehmung mit einen niedrigen Pegel des Streßhormons Cortisol verknüpft.
- Natur fördert die körperliche Aktivität: Bewegung in der Natur hilft Stress abzubauen und verbessert unsere Stimmung
- Positive Wirkung auf unsere Psyche: Studien zeigen, dass Natur gegen Depressionen und Angstzustände wirksam sein kann.
- Natur fördert die Achtsamkeit: die Aufmerksamkeit wird auf die gegenwärtigen Sinneserfahrungen gelenkt. Beobachtung von Pflanzen und Tieren kann einen meditativen Effekt haben.
- Verbindung zur Natur: das Gefühl der Verbundenheit mit der Natur kann ein tiefes Gefühl der Zugehörigkeit vermitteln.
Die Natur fördert einen gesunden Lebensstil und trägt zur psychischen, emotionalen und mentalen Erholung bei.
Besonderes Highlight zu diesem Gestaltungsthema ist: Jeder hat eine positive Assoziation zu diesem Thema, egal welche Altersklasse, welcher soziale Hintergrund und welche Nationalität. Das macht das Thema als Gestaltungselement nahezu universell einsetzbar – es muss nicht das Original sein, eine Kopie wirkt auch! Genau das macht es so einfach, damit zu arbeiten. Bilder, Fotos, Gemälde…alles wirkt.



Mehr zum Thema Natur
Eine Studie der Universität Wien zum Thema: Natur verringert körperliche Schmerzen: Verarbeitung von Schmerzsignalen im Gehirn wird reduziert.
Ausführliche Blogartikel zum Thema:
2. Thema Farbe
Farben und die Farbwahrnehmung ist äußerst wichtig für unser tägliches Leben und hat vielfältige Auswirkungen auf unsere Sinneserfahrungen, unser Verhalten und unsere kognitiven Prozesse.
- Sicherheit & Überleben: Farben wie Rot und Grün dienen als Warn- und Sicherheitssignale, z. B. im Straßenverkehr.
- Kommunikation & Emotionen: Farben vermitteln Gefühle und soziale Signale, sie sind Teil unserer nonverbalen Ausdrucksweise.
- Ästhetik & Design: Farben prägen Kunst, Architektur und Gestaltung und steigern die visuelle Attraktivität.
- Identität & Kultur: Farben symbolisieren Zugehörigkeit und Werte, sie stärken persönliche und kollektive Identitäten.
- Kognition & Lernen: Farben fördern Aufmerksamkeit, Gedächtnis und Verständnis – besonders in Lernmaterialien und visuellen Medien.
Die Herausforderung bei diesem Thema ist, die richtige Farbauswahl für Räume zu treffen. Und das ist weit mehr als nur eine Trendfrage oder Geschmackssache – sie beeinflusst Stimmung, Funktionalität und sogar unser Verhalten. Hier kommen die Themen Wahrnehmungs- und Farbpsychologie ins Spiel.
Besonderes Merkmal: Farbe ist leicht anzuwenden, wenn wir an Wandfarben denken. Wände sind großflächige Teile unserer Räume und haben hohe Wirksamkeit.






Mehr zum Thema Farbe
Eine Studie der Universität Wuppertal in Kooperation mit der Helios Klinik: Positiven Einfluss von Farbe und Licht auf der Intensivstation.
Ausführliche Blogartikel von mir zum Thema: Farbe ist keine Privatangelegenheit oder Welche Farbe ist die Richtige?
3. Thema Bedeutung und Wirkung von Kunst
Das ist ein Thema, das mich sehr interessiert und von großer Bedeutung ist. Besonders in Krankenhäusern ist das ein Thema, mit dem man versucht, Raumgestaltung mal schnell mit einem Bild zu erledigen. Aber die Wirkung, die Kunst haben kann, ist den meisten überhaupt nicht bewusst. Die Gefahr ist: Es kann auch schiefgehen!
Wie wählt man die richtigen Bilder aus?

Ob wir ein Bildmotiv schön finden,
ist von absolut untergeordneter Bedeutung.
Die Wirkung, die es im Raum für den Menschen erzielt ,
ist das Entscheidende
GUDULA BE-PECHHOLD
Ganz entscheidend: Es geht nicht um den persönlichen Geschmack, weder um meinen noch um den Geschmack der Person, die die Bilder auswählt!! Persönlicher Geschmack hat hier gar nichts zu suchen. Ich gehe von den Bedürfnissen der Raumnutzer/Patienten aus. Dazu habe ich ein Diagramm entwickelt, das eine grobe Richtung aufzeigt, wie man ein Motiv auswählen kann. Dem Bedürfnis habe ich eine Atmosphäre zugeordnet, die Farbtöne auf der Grundlage der Farbpsychologie dazu passend ausgewählt, die Strukturen dazu benannt und daraus das Motiv abgeleitet.

Dann ist es sehr wichtig auch noch einen kritischen Blick auf die Art der Darstellung der Motive zu werfen. Bäume können durchaus als dunkle Silhouette mit wilden, knorrigen Ästen eine gruselige Atmosphäre ausstrahlen! Achtung! Je nach Einsatzort ist da besondere Vorsicht geboten. Menschen mit Demenz, Patienten, die nach einer OP im Delir aufwachen, betrachten Dinge noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive und fühlen sich oft bedroht, auch wenn wir das nicht so empfinden.
Wie wirken die Bilder? Welches soll gegenüber Ihrem Bett im Patientenzimmer hängen?






Mehr zum Thema Kunst
Ausführliche Blogartikel von mir: Kunst im Krankenhaus: Teure Deko oder Seelenmedizin? oder Bilder an die Wand: Bilderkonzepte für den Healthcare Bereich
Eine Studie des Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik: Original Studie auf Englisch, Zusammenfassung auf Deutsch als PDF.
Thema Akustik
Im Kontext von Healing Design, spielt die akustische Gestaltung eine zentrale Rolle für das körperliche und seelische Wohlbefinden:
- Stressreduktion: Unangenehme oder laute Geräusche können Stress auslösen und so den Heilungsprozess behindern. Eine ruhige akustische Umgebung fördert Entspannung und Regeneration.
- Nervensystem beruhigen: Schall wirkt direkt auf unser Nervensystem. Sanfte Klänge oder gezielte Geräuschdämmung helfen, innere Ruhe zu finden.
- Raumgestaltung mit Klang: Materialien haben immer eine eigenen Klang. Materialien wie Stoffe, Holz und eher strukturierte Oberflächen absorbieren störende Geräusche und schaffen eine warme, beruhigende Atmosphäre.
- Klanginseln & Zonierung: Durch akustisch gestaltete Bereiche können Räume funktional und emotional gegliedert werden – z. B. Rückzugsorte mit sanften Klängen oder aktivierende Zonen mit lebendiger Akustik
Mehr zum Thema Akustik und Lärm
WHO-Empfehlung zum Lärm in Krankenhäusern
Empfohlene Grenzwerte
Bereich | Tageszeit | Maximaler Schalldruckpegel (dB(A)) | Wirkung bei Überschreitung |
---|---|---|---|
Patientenzimmer | Tag | 35 dB(A) | Konzentrationsstörungen, Stress |
Patientenzimmer | Nacht | 30 dB(A) | Schlafstörungen, verzögerte Genesung |
Allgemeine Innenräume | Tag/Nacht | ≤ 40 dB(A) | Erhöhte Reizbarkeit, Kommunikationsprobleme |
Gesundheitliche Auswirkungen
- Schlafstörungen gelten als besonders kritisch, da sie die Regeneration und Heilung beeinträchtigen.
- Chronischer Lärm kann zu Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und psychischem Stress führen.
- Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Kinder und Patienten mit neurologischen oder kardiologischen Erkrankungen.
Nur mal zur Vorstellung, was tatsächlich für Werte erreicht werden: Einen kontinuierlichen Anstieg der Schallbelastung über die letzten Jahrzehnte. Tagsüber wurden durchschnittlich 72 dB(A) gemessen, nachts 60 dB(A) – deutlich über den WHO-Empfehlungen. Besonders hohe Lärmpegel wurden in Operationssälen und auf Intensivstationen festgestellt.
Empfehlungen zur Lärmreduktion
- Einsatz von schallabsorbierenden Materialien (z. B. Akustikdecken, Vorhänge)
- Verhaltensregeln für Personal: leises Sprechen, sanftes Türschließen, Alarmmanagement
- Technische Maßnahmen: leisere Geräte, akustische Zonierung, Nachtmodus für Monitore
Vollständige Leitlinie der WHO (Deutschsprachige Version): WHO-Leitlinien für Umgebungslärm – PDF
Die Gestaltungselementen des Healing Designs,
werde ich laufend ergänzen. Denn es gibt noch einige mehr…
Fazit: Healing Design als Antwort auf die Herausforderungen unserer Zeit
Healing Design ist mehr als ein gestalterisches Konzept – es ist eine Haltung gegenüber dem Menschen und seiner Beziehung zum Raum. In einer Welt, die von Reizüberflutung, Unsicherheit und wachsender psychischer Belastung geprägt ist, gewinnen Räume, die heilen, eine neue gesellschaftliche Relevanz.
Die Erkenntnis, dass Gestaltung nicht nur schön, sondern auch wirksam sein kann, fordert Architekt:innen, Innenarchitekt:innen, Designer:innen und Institutionen dazu auf, Verantwortung zu übernehmen. Räume können Trost spenden, Orientierung geben, Stress reduzieren und sogar zur Genesung beitragen – wenn sie bewusst gestaltet werden.
Gerade jetzt, wo viele Menschen nach Stabilität, Sinn und emotionaler Sicherheit suchen, bietet Healing Design eine konkrete und wissenschaftlich fundierte Möglichkeit, mit Gestaltung zu antworten. Es verbindet Ästhetik mit Empathie, Funktion mit Gefühl – und macht Innenarchitektur zu einem aktiven Teil des Heilungsprozesses.
Die Zukunft gehört Räumen, die nicht nur funktionieren, sondern berühren und die Seele ansprechen.
Übernehmen Sie Verantwortung – ich unterstütze Sie dabei
Gerne entwickeln wir gemeinsam ein Gestaltungskonzept für Ihr Haus. Es muss nicht eine ganze Station sein – Healing Design wirkt auch im kleinen. Auch kleine Veränderungen können Großes bewirken.

Rufen Sie mich an und wir finden heraus, wo wir beginnen können.
Ihre Innenarchitektin für die Wirksamkeit der Raumgestaltung.
Liebe Gudula,
auf diesen Artikel habe ich lange gewartet – und werde ihn in Zukunft meinen Kunden zum Lesen geben. Denn die richtige Gestaltung von Räumen ist auch für Büroräume wichtig. Aber sie werden oft vernachlässigt oder mit zwei Blumentöpfen und einem stylishen Wandbild abgefrühstückt. Dabei lässt sich hier so viel mehr machen, so viel mehr positiv beeinflussen!
Danke Dir für diesen ausführlichen Beitrag!
Danke Anette und Du hast absolut recht: Das ganze Thema gilt für alle Bereiche und Räume in denen wir uns aufhalten. „Heilen“ heißt ja letztendlich einfach nur wohlfühlen und eine positive Unterstützung durch die Raumgestaltung erfahren.
Liebe Gudula, wie wahr. Deine Beispiele sprechen von selbst. Mein Lieblingsbeispiel: Wer möchte schon in den herkömmlichen Krankenhauszimmern liegen? Wahrscheinlich niemand, oder? Deine Arbeit ist sehr wertvoll, Katrin.
Liebe Katrin, ich denke, das Thema kann man sehr einfach nachvollziehen und selbst fühlen. Ich würde mir wünschen, dass die Verantwortlichen dem Thema mehr Aufmerksamkeit schenken. Ich bleibe dran und trage die Wirksamkeit von Raumgestaltung weiter in die Welt.