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Zur Ruhe kommen: Wie ich verlernt habe, was ich anderen jeden Tag verspreche

Eigentlich sollte ich längst entspannt sein. Eigentlich...

Ich sitze hier in Schweden am Wasser. Kein Telefon, das klingelt. Keine E-Mail, die blinkt. Nur der See, das Licht, der Wind in den Bäumen. Ruhe – Stille. Und trotzdem läuft in meinem Kopf noch alles weiter – Projekte, Termine, Listen. Ich merke: Ich komme nicht runter. Ich kann nicht abschalten, Wo ist er – der Ausschalter?

Und genau das ist der Moment, in dem mir zum ersten Mal seit Monaten ein klarer und ehrlicher Gedanke gelingt. Kein To-do. Kein nächster Schritt. Sondern: Wie bin ich eigentlich hierher gekommen – so leer, so müde, so weit weg von mir selbst?

Ein Tiefpunkt: Ich habe das schwächste Jahr meiner Bürogeschichte hinter mir

Ich sage es, wie es war. 2025 war das schwächste in meiner gesamten Bürogeschichte. Die Aufträge kamen nicht so, wie ich es gewohnt war, und die Unsicherheit saß mir im Nacken. Also habe ich getan, was man in so einer Lage tut: Ich habe angenommen, was kam und mir vor die Füße fiel. Alles. Ohne zu fragen, ob es zu mir passt, ob es mein Thema ist, ob es mich weiterbringt.

Und dann kam alles auf einmal. Spannende Projekte tauchten auf, eine neue interessante Zusammenarbeit ergab sich kurzfristig – aber alles gleichzeitig. Und wenn ein Projekt im Fluss ist, dann heißt es, es muss geliefert werden. Termine, Abgaben, Präsentationen: 70-Stunden-Wochen. Ein Kalender, der keine Lücke mehr kannte, keinen Feiertag und kein Wochenende.

Um das überhaupt zu schaffen, habe ich etwas getan, das ich sonst niemandem raten würde: Ich habe meinen Kopf leergeräumt. Bewusst. Keine weiteren Themen zulassen. Nichts, was zusätzlich Platz braucht. Ich musste mich auf die Arbeit konzentrieren – und alles andere habe ich abgestellt.

Freunde, Familie, kleine Rituale, Sport, singen, keinen einzigen Blogartikel habe ich geschrieben oder etwas gepostet, alles was mir eigentlich wichtig ist. Ich habe alles leiser gestellt oder abgedreht, damit der Kopf nicht überläuft und ich das Gefühl hatte, Raum zu schaffen für das, was erledigt werden muss. Keine Ablenkung, Konzentration auf die wesentlichen Aufgaben. Reiner Selbstschutz – eine Notfallmaßnahme.

Ich habe Nachrichten nicht beantwortet. Verabredungen verschoben. Bin nicht mehr zu den Proben meines Chores gegangen. Und ja – ich habe damit den ein oder anderen vielleicht auch etwas verärgert. Nicht aus Gleichgültigkeit, sondern aus purer Überlastung. Das ist keine schöne Erkenntnis, aber es ist so geschehen.

Das Ehrlichste daran: Ich habe es mittendrin gar nicht gemerkt. Erst jetzt, hier am See, wo der Druck langsam von mir abfällt, sehe ich das ganze Ausmaß. Die Stille nach dem Sturm zeigt oft erst, wie stark er wirklich war.

Der Moment, in dem es mir klar wurde

Und dann, am Wasser, dieser eine Gedanke, der mich nicht mehr losgelassen hat: Ich gestalte beruflich Räume, die Menschen guttun. Räume, die Stress nehmen, die Geborgenheit geben, die Regeneration überhaupt erst möglich machen. Das ist meine Mission – die Wirksamkeit von Räumen zu den Menschen zu bringen.

Und ausgerechnet mir selbst habe ich monatelang genau das verweigert. Keinen Ort für mich. Keinen Moment. Keinen Raum, in dem ich hätte auftanken können. Ich habe für andere Healing Spaces geplant – und mich selbst funktionieren lassen. Weiter und weiter. Ich habe mich von Tag zu Tag gehangelt, nicht zu weit noch vorne geschaut, nur um gerade im Blick zu haben, was ich als nächstes oder gleichzeitig schon mal machen muss. Erst Schweden, erst diese Entfernung, Momente in der Natur und in der Stille mussten es sein.

Das ist der wunde Punkt – und gleichzeitig die wichtigste Erkenntnis. Denn was ich beruflich weiß, gilt eben auch für mich: Ein Raum, der heilt, ist kein Luxus. Er ist Verantwortung – auch die Verantwortung mir selbst gegenüber.

Was ich gerade wirklich lerne: Zur Ruhe kommen dauert

Ich hatte tatsächlich geglaubt, Erholung sei ein Schalter. Urlaub an, Stress aus. Aber so funktioniert es nicht. Herunterkommen, zur Ruhe kommen ist ein Prozess. Es dauert Tage, bis der Kopf begreift, dass er nicht mehr in Alarmbereitschaft sein muss.

Und genau das ist ein zutiefst innenarchitektonischer Gedanke. In meiner Arbeit weiß ich: Regeneration braucht zwei Dinge. Sie braucht Zeit. Und sie braucht den richtigen Raum – eine Umgebung, die Sicherheit, Orientierung und Ruhe ausstrahlt. Das gilt im Krankenhaus, im Altenheim, im eigenen Wohnzimmer. Und es gilt für die Gestalterin selbst, die zur Abwechslung mal an einem See in Schweden sitzt.

Erholung lässt sich nicht befehlen. Man kann ihr nur den richtigen Raum und Zeit geben – dann kommt sie von selbst.

Wie ich es besser machen will – wenn ich ehrlich bin, ich habe noch kein Rezept

Ich will hier nicht so tun, als hätte ich die Lösung direkt in fünf Schritten dabei. Habe ich nicht. Aber ich denke laut nach – und vielleicht denken Sie mit.

Die Frage, die ich noch nicht beantwortet habe

Das eigentliche Problem war die Menge an Arbeit. Nicht der Inhalt. Und, dass ich alles angenommen habe, statt mich auf meine Kernthemen zu konzentrieren. Einfach, weil ich Aufträge brauchte.

Nur – und hier wird es schwierig – was ist eigentlich mein Kernthema? Und welches sollte es sein? Auf was möchte ich mich konzentrieren. Was bringt mich nach vorne? Was gibt mir auch die finanzielle Grundsicherheit.

Healing Design im Gesundheitswesen, das ist mein Herzensthema. Human Living Design, das Wohnen, das mich immer stärker zieht. Die Kunst im Raum, SoulArt. Das ist viel – und vielleicht ist genau das die Aufgabe der nächsten Zeit: nicht mehr zu fragen, was ich alles kann, sondern was ich wirklich will. Ich lasse diese Frage hier bewusst offen. Denn die Antwort habe ich noch nicht. Das gehört zur Wahrheit dieses Textes dazu.

Ein paar Gedanken, die ich unbedingt mitnehme

  • Fokus ist kein Verzicht, sondern Schutz. Wer seine Kernthemen schärft, sagt nicht aus Hochmut Nein, sondern um das Ja zum Richtigen zu schützen.
  • Menschen brauchen einen festen Platz im Kalender. Freunde und Familie dürfen nicht das Erste sein, was gestrichen wird, wenn es eng wird. Sie müssten ihren Platz und ihre Zeit behalten.
  • Pausen sind Teil der Arbeit, nicht ihre Belohnung. Ich habe Erholung immer als das behandelt, was kommt, wenn alles fertig ist. Aber alles ist nie fertig. Das ist mir noch einmal klar geworden.
  • Auch ich brauche meinen Healing Space – im Alltag. Nicht erst 1.500 Kilometer entfernt an einem See. Sondern eine Ecke, ein Ritual, ein Ort zu Hause, der mich täglich ein Stück herunterkommen lässt.

Wie das Healing Design den Weg von der Klinik in unsere eigenen vier Wände findet, habe ich übrigens hier beschrieben: Von Healing Design zu Human Living Design. Und wie sich diese Wirkung ganz konkret in Wohnräume übersetzen lässt, zeige ich in der Human-Space Methode.

Was ich aus Schweden mitnehme

Der See liegt still. Das Licht wird weicher. Und ich merke, wie ich – langsam, Tag für Tag – tatsächlich ankomme. Nicht auf Knopfdruck. Aber es passiert.

Ich nehme mir vor, das, was ich für andere plane, endlich auch für mich ernst zu nehmen. Räume und Zeiten, die wirken. Die nicht nur funktionieren, sondern berühren und entlasten. Und ich weiß: Schon kleine Veränderungen können eine große Wirkung erzielen – auch bei mir selbst. Selbst kleine Ansätze sind ein Anfang.

Was mich runter gefahren hat: In meinem Pop-up-Atelier malen, gemütliche Abende am Feuer mit wichtigen Menschen, gute Gespräche, etwas handwerkeln am Haus meines Sohnes, Lesen, neue Dinge entdecken und Schweden eben – alles läuft ruhig und entspannt. Weit. Ruhig. Stimmungsvoll.

Und Sie? Kennen Sie das Gefühl, den Kopf leergeräumt zu haben, um zu funktionieren? Haben Sie einen Ort, an dem Sie wirklich herunterkommen? Mich interessiert Ihre Erfahrung. Schreiben Sie mir – ich lese jede Antwort.

Lassen Sie uns Räume schaffen, die uns guttun – für andere, und auch für uns selbst.

Wenn Sie mögen, begleiten Sie mich weiter: Mehr sehr persönliche Texte finden Sie unter Persönliches, und alles rund ums gesunde Wohnen sammle ich unter Wohnen.

Das ist meine Mission! Die Wirksamkeit der Raumgestaltung möchte ich möglichst vielen Menschen näherbringen. Es ist ein große Chance die Raumgestaltung zu nutzen um uns etwas Gutes zu tun.

Rufen Sie mich an und wir starten durch.

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