Veröffentlicht am 02.10.2026 · Zuletzt aktualisiert am 11.10.2026
95 Prozent der Menschen, die ihren Wohn- oder Arbeitsraum selbst gestaltet haben, sind mit dem Ergebnis zufrieden. Trotzdem hätten sich 60 Prozent von ihnen professionelle Unterstützung gewünscht. Diese Kombination hat mich überrascht – und ich wollte herausfinden, was dahintersteckt.
Denn das war nicht die Frage, mit der ich gestartet bin. Ich wollte eigentlich nur wissen: Ist Zufriedenheit mit dem eigenen Raum wirklich dasselbe, wie wenn ein Raum seine volle Wirkung entfaltet – also wirklich beruhigt, orientiert und das Wohlbefinden stärkt?
Meine Methodik – eine Umfrage
20 Menschen haben an dieser Umfrage teilgenommen. Ich habe sie über WhatsApp, LinkedIn und meinen Newsletter geteilt – die deutliche Mehrheit der Teilnehmenden kommt aus meinem beruflichen und privaten Umfeld, einige wenige kannte ich nicht persönlich, die aber selbst vom Fach sind. Das ist keine repräsentative Studie, sondern eine Momentaufnahme aus einem ganz bestimmten Kreis von Menschen.
Gefragt habe ich, welchen Raum sie vor Kurzem eingerichtet haben: Wohnung, eigene Praxis, Büro oder Klinik. Wer hat entschieden, wie leicht fiel es, wie zufrieden sind sie im Rückblick – und was hätten sie sich gewünscht. Die Fragen waren bewusst einfach gehalten, aber die Antworten erzählen mehr, als die reinen Prozentzahlen zeigen.
Erkenntnis 1: Der eigene Geschmack entscheidet – nicht das Wissen über Wirkung
75 Prozent der Befragten (15 von 20) nennen den eigenen Geschmack als Grundlage ihrer Gestaltungsentscheidungen. Nur eine einzige Person – 5 Prozent – stützte sich auf Ausbildung oder wissenschaftliche Erkenntnisse. Der Rest hat improvisiert, kombiniert, ausprobiert.
Mascha erzählt, wie das konkret aussah: „Ja, mir haben diverse Möbelstücke und viel anderes gefehlt. Da hab ich improvisiert, teils Stücke vom Sperrmüll farblich passend angestrichen, stabile Pappkartons mit Tapete beklebt und solche Sachen. Weiße Leintücher gefärbt für die Vorhänge, schäbigen Fußboden unter Teppich verschwinden lassen, Lampenschirm selbst gebastelt etc.“ Aus über 8000 Büchern und wenig Budget ist am Ende, wie sie selbst sagt, „ein wunderschönes Bibliothekszimmer geworden“.
Für Sie heißt das: Geschmack und Kreativität tragen weiter, als man denkt – aber sie ersetzen nicht das Wissen darüber, WARUM eine Farbe, ein Licht oder eine Anordnung überhaupt so wirkt, wie sie wirkt. Das eine schließt das andere nicht aus, es ergänzt sich.
Erkenntnis 2: Wer die Wissenschaft kennt, wünscht sich häufiger professionelle Unterstützung – nicht seltener
77 Prozent der Menschen, denen bekannt war, dass die Wirkung von Räumen wissenschaftlich erforscht ist, hätten sich im Nachhinein professionelle Unterstützung gewünscht. Bei denen, die das nicht wussten, waren es nur 29 Prozent. Wissen macht also nicht unabhängiger von Profis – es macht sensibler dafür, was man selbst nicht leisten kann.
Anika bringt es auf den Punkt: „Ich habe einen Architektenfreund nach Hilfe beim Licht gefragt. Die beste Wirkung kennen dann doch die Profis. Zu Hause würde ich es wohl selbst machen, aber hier ging es auch um Technik und um das beste Licht zum Arbeiten.“
Für Sie heißt das: Je mehr Sie darüber wissen, wie stark Licht, Farbe und Raumwirkung tatsächlich wirken, desto eher erkennen Sie die Stellen, an denen sich professioneller Rat lohnt – das ist kein Widerspruch, sondern ein Zeichen von Kompetenz.
Erkenntnis 3: Zufrieden im Moment mit der Raumgestaltung – aber im Nachhinein hätten sie sich Hilfe gewünscht
95 Prozent sagen, ihr Raum hat am Ende so gewirkt, wie sie es sich erhofft hatten. Und trotzdem haben sich 60 Prozent im Nachhinein an mindestens einer Stelle professionelle Unterstützung gewünscht – genau das wurde so gefragt, „im Nachhinein“. Zufriedenheit im Moment und das Gefühl, im Rückblick etwas übersehen zu haben, schließen sich offenbar nicht aus.
Eine Teilnehmerin beschreibt genau diesen Moment: „Nachdem ich an einer Wand ein großes Whiteboard angebracht hatte, wirkte dieses Weiß auf Weiß sehr steril. Ich beauftragte einen Maler, eine sanfte Wandfarbe zu mischen.“ Der Raum war fertig, er fühlte sich richtig an – und trotzdem fehlte am Ende noch der Blick von außen, der die Wirkung einer Farbe vorher eingeschätzt hätte.
Für Sie heißt das: Wenn Sie an einer Entscheidung unsicher sind – ob eine Farbe, ein Material oder ein Lichtkonzept wirklich so wirkt, wie Sie es sich vorstellen – fragen Sie VOR der Umsetzung nach, nicht erst hinterher. Der Nachbesserungs-Maler kommt sonst sowieso.



Die Stimmen
Fünf Menschen, fünf vollkommen unterschiedliche Erfahrungen mit demselben Thema – manche bestätigen, manche widersprechen meiner ursprünglichen Vermutung. Genau das macht die Umfrage ehrlich.
Esther hat ihr Homeoffice ganz allein gestaltet und ist rundum zufrieden: „Ich wollte, dass ich gerne im Büro bin […] Der Raum sollte eine freundliche Ausstrahlung haben und die Dinge dort untergebracht sein, wo ich sie ohne Umwege gut und leicht erreichen kann. […] Hat geklappt.“ Kein Wunsch nach Unterstützung, kein Umweg – ein klarer Gegenbeweis zu meiner Vermutung, dass Selbermachen zwangsläufig eine Chance verschenkt.
Uwe Linke gestaltete seinen Praxisraum für seine psychotherapeutische Praxis bewusst mit viel Grün und akustischer Holzverkleidung: „Er wirkt ruhig und lässt mich runterkommen und auf andere wirkt er genauso.“ Allerdings ist er selbst vom Fach – „Bin Profi, daher 99 % bedacht“, sagt er über das, was er vorher hätte wissen wollen. Sein Fall zeigt: Wer das Wissen schon mitbringt, braucht die externe Unterstützung nicht mehr.
Eine anonyme Teilnehmerin erlebte dagegen mitten im Prozess eine Überraschung: „Wohnzimmer, sollte sich gemütlich anfühlen. Habe gemerkt, dass das Licht eine große Rolle spielt.“ Eine Erkenntnis, die erst durchs Tun entstand – nicht vorher.
Christa wiederum scheiterte an etwas ganz anderem: Mehrere Küchenstudios hatten ihre Wünsche abgelehnt, und am Ende blieb eine offene Frage: „Was sagt meine Familie zu meinen Ideen, die ich seinerzeit nicht gut in der Lage war, bildlich darzustellen.“ Nicht fehlendes Wissen über Wirkung, sondern fehlende Werkzeuge, die eigene Vision zu zeigen.
Was ich noch nicht weiß
20 Menschen sind eine Momentaufnahme, keine Studie. Fast alle kommen aus meinem beruflichen und privaten Umfeld – über WhatsApp, LinkedIn und meinen Newsletter geteilt, also kein Zufallsprinzip, sondern ein Netzwerk, in dem bestimmte Berufe und Haltungen überproportional vertreten sein dürften.
Ich weiß auch noch nicht, welche Art von Unterstützung sich die 60 Prozent konkret gewünscht hätten – eine einmalige Beratung, eine Farbberatung, ein Lichtkonzept oder etwas ganz anderes? Das wäre eine eigene Umfrage wert. Und ob sich dieses Gefühl, im Nachhinein etwas übersehen zu haben, mit der Zeit verstärkt oder wieder verblasst, kann ich aus einer einmaligen Befragung nicht ablesen.
Was ich daraus für meine Arbeit mitnehme
Am meisten hat mich Erkenntnis 2 überrascht: Wissen macht nicht unabhängiger von professioneller Unterstützung – es macht sichtbar, wo sie fehlt. Und hier will ich deutlich werden, denn genau an diesem Punkt bin ich empfindlich: In den eigenen vier Wänden ist der eigene Geschmack genau richtig. Niemand muss sich dort rechtfertigen, warum ihm eine Farbe gefällt. 75 Prozent der Befragten folgen ihrem Geschmack – und für den privaten Raum ist das völlig in Ordnung.
Anders sieht es aus, sobald ein Raum nicht mehr nur mir gehört. Eine Klinik, eine Praxis, ein Wartezimmer, eine Pflegeeinrichtung – das sind Räume, die viele verschiedene Menschen zugleich erreichen müssen, mit ganz unterschiedlichen Bedürfnissen, Ängsten und Belastungen. Dort ist persönlicher Geschmack nicht die richtige Grundlage für eine Gestaltungsentscheidung – weder meiner als Innenarchitektin noch der des Auftraggebers. Grundlage sollte sein, was diese Menschen tatsächlich brauchen, um sich sicher, orientiert und wohl zu fühlen. Das lässt sich erforschen, messen und gestalten – unabhängig davon, was irgendjemandem persönlich gefällt.

Schon kleine Veränderungen – ein Gespräch vor der Entscheidung statt danach, ein geschulter Blick auf die eine Stelle, an der es hakt – können den Unterschied machen zwischen einem Raum, der funktioniert, und einem Raum, der wirklich wirkt. Im Privaten heißt das: Vertrauen Sie Ihrem Geschmack ruhig weiter. Im beruflichen oder öffentlichen Raum heißt es: Fragen Sie nicht „was gefällt mir“, sondern „was braucht der Mensch, der hier gleich sitzt“.
Brauchen Sie einen Rat, einen professionellen Blick von außen?
Wenn Sie gerade selbst an einem solchen Raum sitzen und nicht sicher sind, ob er das tut, was die Menschen darin brauchen: Sprechen Sie mich an. Oft reicht schon ein Blick von außen, um den einen Punkt zu finden, der fehlt.
Über mich:
Seit über 20 Jahren arbeite ich als selbstständige INNENarchitektin im Healthcare Bereich. Ich richte mit Begeisterung, Herz und Verstand Praxen ein, gestalte Krankenhäuser, Altenheime und alle Orte an denen Gemeinschaft stattfindet. Immer mit dem Fokus auf den Bedürfnissen der Nutzer.
Meine Mission ist die Wirksamkeit von Räumen möglichst vielen Menschen näher zu bringen, damit Sie davon profitieren können.
Healing Design ist mein Thema: Konzepte auf wissenschaftlicher Grundlage der Architektur-, Farb- und Wahrnehmungspsychologie, wissenschaftlich fundiert und emotional erlebbar.