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Meine Kreativität ist kein Geistesblitz – sie ist ein Speicher, den ich immer wieder auflade

Inspirationsquellen für meine Arbeit als Innenarchitektin – Künstler Ateliers – ein roter Faden

Ich stehe im Flur von Hill House bei Glasgow, dem Haus, das Charles Rennie Mackintosh ab 1902 für einen Verleger gebaut hat, und ich komme mit dem Schauen nicht hinterher. Die Möbel, die Leuchten, die Stoffe, das Geschirr auf dem Tisch – nichts steht für sich allein. Kleinste Details von der Fussleiste über den Lichtschalter, Ornamente und Funktionales sind auf einander abgestimmt. Alles gehört zusammen. Auch die künstlerische Handschrift von Margaret Macdonald Mackintosh ist überall zu spüren: Sie hat mit eigenen Möbeln, Textilien und dekorativen Arbeiten ganze Bereiche des Hauses gestaltet – nicht als Zuarbeit, sondern als eigenständige künstlerische Position innerhalb des Gesamtkonzepts. Ich stehe da und staune. Kann kaum fassen, was ich sehe. Die Räume atmen Designgeschichte, strahlen eine wunderbare Atmosphäre aus. Ein Gesamtkunstwerk – und ich mittendrin.

Inspirationsquelle: Mackintosh, Hill House

Mehr zu diesem Haus und die Geschichte wie es gerade gerettet wird unter dem Link: https://www.nts.org.uk/visit/places/the-hill-house

Hill House in Helensburgh bei Glasgow entstand zwischen 1902 und 1904 für den Verleger Walter Blackie, nach einem Entwurf von Charles Rennie Mackintosh. Was das Haus zum Gesamtkunstwerk macht, ist nicht nur die Architektur: Margaret Macdonald Mackintosh gestaltete Möbel, Textilien und dekorative Elemente für die Innenräume – als gleichberechtigte künstlerische Position im Inneren, nicht als Zuarbeit zu ihrem Mann.Bis heute gilt Hill House als eines der bedeutendsten Beispiele des Jugendstils in Schottland.

Das ist jetzt vier Jahre her. Und dieses Staunen von damals – ich spüre es noch heute, wenn ich daran zurückdenke. Es hat mich Tage lang nicht losgelassen.

Eigentlich ist mir das immer wieder passiert. Nur die Bedeutung davon – die ist mir erst jetzt, in diesem Sommer klar geworden.

  • Vor rund 30 Jahren stehe ich zum ersten Mal im Giardino dei Tarocchi von Niki de Saint Phalle in der Toskana. Ein aussergewöhnlicher Schaffensort einer Künstlerin. Innenarchitektin bin ich da noch lange nicht – es ist einfach der Mensch, der mich fasziniert, und ihre Kunst.
  • Die Künstlerkolonie in Worpswede, rund um Paula Modersohn-Becker, hat mich fasziniert.
  • Vor vier Jahren dann Hill House in Schottland und die Weissenhofsiedlung mit dem Wohnhaus von Le Corbusier in S tuttgart.
  • Zwei Jahre danach der Millesgården in Stockholm, das Atelier von Carl Milles.
  • Vor einem Jahr Carl Eldh, ein schwedischer Bildhauer, ebenfalls in Stockholm.
  • Zu Beginn diesen Jahres das Atelier und Wohnhaus des Malers José Maria Rodríguez-Acosta in Granada.  
  • Und in diesem Sommer, geht es weiter in Schweden: Carl Larsson in Sundborn und Anders Zorn. Immer wieder diese Orte. Immer wieder dieses Staunen. Und ich habe es all die Jahre nicht als das erkannt, was es eigentlich ist: ein roter Faden durch mein gestalterisches Leben.

Inspirationsquellen

WAS IST KREATIVITÄT EIGENTLICH?

  • Kreativität = die Fähigkeit, Ideen oder Ergebnisse hervorzubringen, die neu bzw. originell sind – und gleichzeitig wertvoll, brauchbar oder funktionierend.
  • Nur neu reicht nicht: Eine Idee, die zwar neu, aber nutzlos ist, gilt ebenso wenig als kreativ wie eine Lösung, die zwar funktioniert, aber niemanden überrascht.
  • Genau in diesem Spannungsfeld – neu UND brauchbar – bewegt sich jede kreative Arbeit. Auch meine.

Warum mich das nie loslässt

Innenarchitektin zu sein heißt für mich, neugierig zu bleiben. Wie haben andere gelebt und gearbeitet? Wie sind sie mit Material umgegangen, mit Licht, mit Raum? Diese Neugier hört nicht auf, wenn ich Feierabend mache. Sie ist immer da und nimmt sich auch meine Urlaubszeit. Für mich sind Beruf und Leben an dieser Stelle gar nicht zu trennen – ich glaube, das geht kreativen Menschen oft so. Ateliers, Ort wo Künstler und Gestalter arbeiten oder gearbeitet haben, wie diese Beispiele sind für mich echte Inspirationsquellen.

In diesem Sommer bei Carl Larsson und seiner Frau Karin spüre ich noch einmal etwas anderes als in Hill House: hier wird neben der Gestaltung und Räume eine ganz eigene Lebensphilosophie deutlich. Diese bezieht sich auf ihre Lebensweise und den familiären Umgang mit ihren 8 Kindern. All das ist zu spüren und abzulesen, wenn man durch ihr Haus und die Atelierräume wandelt.

Inspirationsquelle: Larsson Haus und Atelier

Lilla Hyttnäs in Sundborn war das Zuhause von Carl und Karin Larsson. Karin Larsson war weit mehr als die Frau an seiner Seite: Sie war selbst eine der prägenden Figuren des schwedischen Interior-Designs.Ihre Textilien, Wandbehänge und Möbelentwürfe brachten eine für die damalige Zeit radikal neue Ästhetik ins Haus – klare Farben, einfache Formen, funktional gedacht.Bei der Gestaltung hatte sie das letzte Wort: „Rühr es nicht mehr an … es ist gut“, soll sie zu Carl gesagt haben, wenn ein Raum für sie fertig war. Haus und Garten bilden ein Gesamtkunstwerk. Bis heute prägt dieser Stil das Bild vom skandinavischen Wohnen.

Fotos, im Haus, durften leider nicht gemacht werden. Die Innenraumfotos sind aus der MuseumsApp: https://carllarsson.se/de/carl-larsson-app/

Und in Carl Eldhs Atelier in Stockholm hatte ich das Gefühl, er hat gerade eben erst seine Arbeit an seinen Skulpturen unterbrochen. Als wäre er nur kurz raus aus dem Atelier und käme gleich wieder. Genau diese persönlichen Spuren sind es, die einen Ort für mich glaubhaft machen. Man spürt die kreative Energie solcher Räume.

Ich sammle – aber ich kopiere nicht

Was ich in diesen Ateliers und aus den Räumen aufnehme, übernehme ich nie eins zu eins. Kein Möbelstück, keine Farbkombination wandert direkt in einen meiner Entwürfe. Was bleibt, ist etwas Größeres: der Zusammenhang. Das Gefühl von Stimmigkeit, das ein Ort ausstrahlen kann, wenn wirklich alles zueinander passt. Der Gestaltungswille und natürlich das Können und die Begabung der Künstler , Gestalter und Designer. Genau das nehme ich mit und speichere es – irgendwo, ich könnte nicht genau sagen, wo.

Und dann, viel später, kommt es wieder ein Eindruck hoch. Wenn ich intensiv an einem Projekt arbeite. Fast nie, während ich aktiv an einem Entwurf sitze. Sondern in einem privaten, unbeschwerten Moment, in dem die Arbeit gerade keine Rolle spielt. Oder aus dem Bauch heraus, wenn eine Aufgabe eigentlich schon fertig scheint – und ich sie doch noch einmal anfasse, eine Variante ausprobiere, die vorher gar nicht präsent war.

WAS DIE KREATIVITÄTSFORSCHUNG SAGT

Der Psychologe Graham Wallas beschrieb den kreativen Prozess bereits vor rund hundert Jahren in vier Phasen:

Phase Was passiert
Vorbereitung Das Thema bewusst erkunden – sammeln, recherchieren, von allen Seiten betrachten.
Inkubation Die stille Phase dazwischen – man tut scheinbar nichts, im Kopf wird längst weitergearbeitet.
Illumination Der plötzliche Einfall – oft überraschend, ohne erkennbaren Auslöser.
Verifikation Die Idee wird geprüft, ausgearbeitet und auf ihre Tauglichkeit getestet.

Persönliche Erfahrung

Ich kenne aber auch die andere Seite. Den Moment, in dem ich vor einer Aufgabe sitze und denke: Mir fällt einfach nichts dazu ein. Keine Idee, keine Lösung – jedenfalls keine, die etwas taugt. In diesem Moment fühle ich mich, als würde ich an der Aufgabe scheitern.

Zeitdruck macht das nicht leichter. Der große Widerspruch ist aber auch: Zeitdruck stresst mich – und macht mich gleichzeitig konzentrierter. Beides zugleich – Eins lässt das Andere entstehen. Gut fühlt sich das zwischendurch allerdings nicht an. Dieser Zustand ist nicht wie eine Blockade, sondern eher wie eine Leere.

Der Weg zurück führt nie über Druck. Er führt über eine bewusste Annäherung, die Zeit braucht: lesen, blättern, Bilder anschauen, manchmal auch die KI fragen. Ich nähere mich dem Thema, der Aufgabe, immer wieder neu an. Und mitten in dieser Angst, es diesmal nicht zu schaffen, trägt mich eine Erfahrung, an die ich fest glaube: Ich werde eine Lösung finden. So wie immer. Es wird sich etwas entwickeln, herauskristallisieren, das ich vorher überhaupt nicht kommen sehe. Und genau diese intuitive Gestaltungsarbeit kann nur entstehen, weil ich meine kreativen Depots auffülle und auch schulen:

  • Neugierig sein und hinsehen
  • Genau hinsehen und Dinge entdecken
  • Etwas neu betrachten und offen sein
  • Umgebungen suchen, die Gestaltungsqualitäten haben und eintauchen.
  • Zeichnen, malen, skizzieren und sich im Flow der Kreativität verlieren

Was ich mitgeben möchte

Wer selbst kreativ arbeitet, dem kann ich nur sagen: Es lohnt sich immer, neue Erfahrungen zu machen. Ein Atelier besuchen, eine Ausstellung, sich für andere Künste, wie Musik, Fotografie oder Kunst zu interessieren. Nicht, um etwas davon direkt zu übernehmen – sondern um den eigenen Speicher aufzuladen. Was daraus wird, entscheidet sich später, oft erst dann, wenn man es am wenigsten erwartet.

Und wer selbst nicht kreativ arbeitet, aber mit Menschen wie mir zusammenarbeitet: Dem wünsche ich, dass sichtbar wird, was hinter einer Idee wirklich steckt. Kein Nachmachen. Keine Vorlage aus dem Katalog. Sondern eine Lösung, die für genau diese eine Aufgabe entsteht – aus einem Speicher, der über Jahre gefüllt wurde, und aus einer Kopfarbeit, die oft unsichtbar bleibt, bis sie plötzlich nach außen tritt.

Ich werde weiter in fremde Ateliers, Museen und Orte besuchen die Kreativität atmen. Werde weiter staunen, sammeln, auftanken – auch wenn ich nie genau sagen kann, wann und wo mich das wieder einholt. Genau das ist für mich Kreativität: kein Geistesblitz. Ein Speicher, den ich immer wieder auflade – und der mich, jedes Mal aufs Neue, nicht im Stich lässt.

P.S.: Reisen ist ein weitere Leidenschaft von mir. Deshalb ist die Idee, Inspirationsquelle zu entdecken, eine wirkliche Freude für mich.

Welche Orte laden Ihren Speicher auf? Wo finden Sie Inspiration für Ihre Leidenschaft, Ihren Beruf. Ich bin gespannt – wenn Sie mögen, schreiben Sie es mir gerne.

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